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Kirchengeschichte Wald 2014

2013. Kirche St. Martin und Ägidius Wald
Kirche St.-Martin. Foto: Unbekannt

In den Gunzenhäuser Stadt­teilen Wald und Streudorf wird an diesem Wochenende Kirch­weih gefeiert.

 

Wenn von der St. -Martins-Kirche in Wald die Rede ist, geht es meist um das Urbild einer Markgrafenkirche, was sie ja ohne Zweifel auch ist. Dass es sich dabei aber auch um ein Gotteshaus handelt, dass schon Jahrhunderte vor der Markgrafenzeit erbaut wurde, tritt dabei meist in den Hinter­grund. In der Denkmalsliste wird lediglich erwähnt, dass es einen Vorgängerbau der heuti­gen Kirche gab und dass dabei der Turm aus dem 15. Jahrhun­dert Wiederverwendung fand.
Von der Westseite her sieht man den Turm kaum. Man muss schon außerhalb des Dorfes ge­hen, um ihn zu betrachten, am besten auf den Damm des Alt­mühlsees. Von da zeigt sich auch, dass die Kirche von Osten nicht mehr ganz so „markgräf­lich" aussieht. Über die Mauer des ehemaligen Kirchhofs er­hebt sich der quadratische Turm mit seinem oktogonen Glockengeschoss, dessen spitz­bogige Schallöffnungen noch das ursprüngliche gotische Maßwerk haben.
Dort hängen auch die Glo­cken, zwei aus neuerer Zeit, aber auch zwei sehr alte, eine vielleicht noch vom Vorgänger­bau der gotischen Kirche. Nach dem Glockenatlas für Mittelfranken wird eine Glocke be­reits in die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert. Auf dieser, in Nürnberg gegossenen, sonst schmucklosen Glocke stehen die sechs Namen „Caspar Walt­hasar Melchio Lucas Marcus Iohannes Matheus", getrennt durch sechsblättrige Rosetten beziehungsweise Glöckchen. Die andere, dem Nürnberger Meister Peter Glockengießer I. zugeschriebene und auf das Jahr 1418 datierte Glocke dürf­te im Zusammenhang mit dem Neubau der gotischen Kirche entstanden sein: „anno dom m cccc xviii ista conpana fusa est in onore sanchy egidy in wal­dii" (Im Jahr des Herrn 1418 ist diese Glocke zur Ehre von St. Egidius in Wald gegossen wor­den).
Neben St. Martin ist St. Ägi­dius der zweite Kirchenpatron. Die Inschrift wird dreimal durch die Reliefs einer Kreuzi­gungsgruppe unterbrochen. Unter der Krone umzieht die Glocke der für diese Zeit typi­sche Zinnenfries und unter der Inschrift ist ein spitzbogiger Kleeblattfries, der ebenfalls von den Reliefs unterbrochen wird.
Wie von außen die gotische Vergangenheit nicht gleich ins Auge fällt, so ist es auch im In­neren. Betritt man das Gottes­haus durch das Westportal, so hat man die im Markgrafenstil errichtete Altarwand vor sich: Unten der Altar, darüber die schlichte Kanzel und über ihr die Orgel. Die Loge der ehema­ligen Patronatsherrschaft, zu­letzt die Freiherrn von Falkenhausen, wurde bei der Erweite­rung der Kirche im Jahr 1928 zurück versetzt, so dass nun auch noch davor Kirchenbänke Platz haben. Durch diesen Um­bau wurde aus der ehemaligen Quersaalkirche ein Kirchen­raum mit drei ziemlich gleich großen Schiffen.
Nur von den beiden Seitenar­men und vom Altar aus kann man die beiden gotischen Figu­ren sehen, St. Laurentius und ein Bischof, die ebenfalls aus der Vorgängerkirche übernom­men wurden. Alles andere im Kirchenraum stammt entweder aus der Erbauungszeit der Kir­che im Jahr 1722 durch den markgräflichen Oberbaudirek­tor Karl Friedrich von Zocha, der in dieser Zeit auch das Rit­tergut Wald besaß, oder aus dem Jahr der Verlängerung der Kirche.
Die Kirche strahlt trotz ihrer strengen Schlichtheit Geschlos­senheit und Geborgenheit aus. Weil im Innenraum weder Schnitzereien noch Malereien den Blick auf sich ziehen, kom­men die mit sparsamen Orna­menten hervorgehobenen Hauptstücke der Kirche auf Al­tar, Kanzel, Taufstein und Orgel besonders zur Geltung. In der Gruft unter dem Gotteshaus ru­hen viele Mitglieder der Famili­en von Zocha und von Falken­hausen. An der östlichen und südlichen Kirchhofmauer sind einige Grabmäler eingemauert, das älteste aus dem Jahr 1651. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 18.09.2014

© Text: Pfarrer i. Günter L. Niekel, Muhr am See

© Fotos Unbekannt

 

 

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

Dekanat Gunzenhausen

 

 

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