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Jugend Begegnung Malaysia – Gunzenhausen vom 19. Juli bis 9. August 2014

Jugend Begegnung Malaysia – Gunzenhausen vom 19. Juli bis 9. August 2014

Nach sechsmonatiger Vorbereitungszeit gingen wir mit großer Erwartung auf den 19. Juli 2014 zu. Ein Team mit zwei Kleinbussen fuhr zum Flughafen Frankfurt Main um dort die neunköpfige Gruppe junger Leute aus Malaysia abzuholen. Die Begrüßung, die erste Begegnung war herzlich. In Gräfensteinberg wartete das Selbstversorgerheim geschmückt mit Blumen,  Fahnen und einem Willkommensplakat. Die neun jungen Leute, sechs männlich, drei weiblich bezogen ihre  Zimmer. Allerdings anders als zunächst von uns gedacht: wir waren der Meinung, die Zimmer sollten entweder mit malaysischen oder deutschen  Gruppenmitgliedern belegt werden. Dies sahen aber die Gäste anders. Man wollte gemischte Zimmer, Malaysia und Deutschland miteinander. Freilich Männer und Frauen für sich und die älteren Gruppenbegleiter in eigenen Räumen.

 

 

Der Gottesdienst zur Begrüßung brachte die Gäste mit dem Gunzenhausener Boden in Berührung. Aber schon am nächsten Morgen war die Teilnahme am Fest der weltweiten Kirche in Neuendettelsau, CMEW  - Centrum Mission eine Welt, vorgesehen. Gute Begegnungen, eine breite Bühne sich vorzustellen und Gelegenheit, die Einrichtung kennen zu lernen, über die die Fäden der Partnerschaft geknüpft worden sind.

Der erste solide Tag der Gruppenbegegnung war Montag, der 20. Juli:
Wir besuchten miteinander den Klettergarten der Evangelischen Landjugend in Pappenheim. Wir hatten bewusst eine Einrichtung ausgewählt, in der Teamarbeit gefordert und unterstützt wurde. Die Teams waren gemischt, Malaysier und Deutsche. Die Aufgaben, die zu bewältigen waren, stellten Herausforderungen. Herausforderungen an Nähe, Berührung, Absprache, Vertrauen und Zuverlässigkeit. Am Abend war einem der eine oder die andere nicht mehr fremd. Sie hatten einen gehalten, hatten einen berührt, ich musste Vertrauen, konnte den Weg nur gehen in hundertprozentiger Abhängigkeit vom anderen. Dieser Klettergarten am Anfang der Jugendbegegnung war wesentlich für das zueinander finden.

 

In den nächsten Tagen folgten Besuche, Begegnungen in Gunzenhausen mit Verantwortlichen vorwiegend kirchlicher Arbeit.

Wesentliches aber vollzog sich im Haus, in der Wohngemeinschaft selbst. Nicht nur das gemeinsame Vorbereiten und Aufräumen der Mahlzeiten, das miteinander am Tisch sitzen, reden, lachen, aufeinander eingehen, sondern auch die Nächte, die schon wieder auf den Morgen zu gingen, ohne dass Gemeinschaft, Gespräche und gemeinsame Lieder verklungen wären. Hilfreich war, dass beide Gruppen neuere englischsprachige, geistliche Lieder kannten, die sie von Herzen mit Inbrunst und Gitarrenbegleitung im Rhythmus eines Kajons sangen. Vereinzelt fühlte sich der eine oder andere ältere Begleiter bemüßigt darauf hinzuweisen, dass der neue Tag mit neuen Herausforderungen ein gewisses Ausgeschlafensein verlangte. Fazit: Malaysier brauchen weniger Schlaf als Deutsche. Diese Herausforderungen bündelten sich in Erfahrungen und Begegnungen.

 

Diakonische Einrichtungen sind in der lutherischen Kirche Malaysias vorhanden. Können dort jedoch nur vereinzelt bis überhaupt nicht auf staatliche Unterstützung zählen. Die Gruppe konnte bei uns das Ineinander kirchlicher, staatlicher und privater Träger sozial diakonischer Aufgaben erleben. Der Besuch der Rummelsberger Einrichtungen machte den Anfang. Von der Lebens-und Dienstgemeinschaft der Diakoninnen und Diakone über die Betreuung junger Leute in offenen Wohngruppen bis hin zur Wärmestube in Nürnberg. Besonders die Einrichtungen in Nürnberg für Obdachlose, für drogenabhängige, schwangere Frauen und Sozialkaufhäuser halfen zu verstehen. Zu verstehen, dass Deutschland an der Oberfläche ein Wohlstandsland ist, die Oberfläche aber vieles an Not und Bedürftigkeit verdeckt. Ergänzt wurde die Rummelsberger Diakonie später durch einen Besuch der Neuendettelsauer Diakonie.

 

Gesprächsbedarf vermittelte ein Besuch im Nürnberger Dokumentationszentrum über den Nationalsozialismus in Deutschland. Weiterhin Ansatz für Diskussion und Gespräch bot der Einblick in den Müllkreislauf durch den Besuch eines Abfallentsorgungsunternehmens. Letzteres ergänzte den Lebensvollzug, begonnen mit Einkaufen, Kochen und Abräumen. Es stellte sich heraus, dass die Umweltproblematik unseren Gästen sehr bewusst und in Malaysia eine große Herausforderung ist. Eine der großen Hürden im Vorfeld ist die Infrastruktur. Auch die der vorbereitenden Müllentsorgung in den Haushalten durch gelben Sack, grüne Tonne, Biotonne.

 

Hilfreich für den Weg des Vertrautwerdens waren nach dem Klettergarten Unternehmungen wie Radtour im Bereich des Dekanates mit gemeinsamen Übernachten, Kanutour auf der Altmühl ebenfalls mit gemeinsamer Übernachtung. Diese Erlebnisse blieben nicht gesondert stehen, sondern waren geknüpft in den Rahmen des Beieinanderseins. Wesentlich als Rahmen war das gemeinsame Wohnen, die Unterkunft in dem einfachen aber ordentlichen Selbstversorgerhaus in Gräfensteinberg. Dort für das gemeinsame Leben gemeinsam verantwortlich zu sein gab dem miteinander unterwegs sein und der Nähe eine Gestalt. Putzen, Einkaufen, Kochen, Singen, Beten, Diskutieren, Lachen, Rücksicht nehmen, behilflich sein, sich absprechen - all das half zu einander.

Hilfreich war der Missionskreis des Dekanates im Hintergrund. Im Vorfeld hatte er z. B. für Bettwäsche und Handtücher gesorgt, während der Zeit zwei dreimal für gute, kalte Buffets gesorgt und Hinterher den Resonanzkörper für einen guten Nachklang der Jugendbegegnung gegeben: Die heimischen Jugendlichen waren zu einem rück- und vorausblickenden Abend mit gutem asiatischen Essen eingeladen.

 

Die letzte Woche verbrachten wir im Kleinwalsertal, auf einer Alphütte in Riezlern. Wie während der ganzen Zeit war auch dort der Aufenthalt einfach: Zu sechst in einem Zimmer, Dusche und WC auf dem Gang, Rücksicht nehmen, ein gemeinsamer Aufenthaltsraum. Dass die Königsschlösser besucht wurden - Neuschwanstein und Hohenschwangau - war naheliegend. Prägend aber wurden die Wanderungen auf Berge, angestrengt schnaufend, miteinander. Durch Regen und Sonnenschein.

 

Die Gäste hatten zwei ältere verantwortliche dabei: Pfarrer Calvin, 38 Jahre, Terence Messner, 42 Jahre - ehrenamtlicher Jugendleiter.
Beide waren für mich - Pfarrer Knoch, 55 Jahre - ein gutes gegenüber. Wir waren im Hintergrund, konnten Gruppenabläufe, Spannungen, Planungen, Träume, in Ruhe durch sprechen und die Gruppe eigenverantwortlich leben lassen. Dienlich dem miteinander erwies sich die Einfachheit der Unterkünfte, die Einfachheit des Lebens.

 

Unsere Gäste entstammen kirchlicher Jugendarbeit und wir als Gastgeber ebenfalls. Das Bibelgespräch, das miteinander erarbeiten von Glaubensinhalten, ihr Bezug zum Leben,  nahm einen wichtigen Platz ein. Morgen- oder Abendandachten, Gebete, Lieder.

Wie die Verbundenheit gediehen ist zeigt die Planung der letzten Nacht. In der Sorge über die anstehende, lange Heimreise bereiteten die Gastgeber Quartiere zuhause in ihren Familien vor. So schien es ohne weiteres möglich, dass jeder und jede noch einmal ruhig schlafen und sich dann früh duschen, frisch und ausgeruht die Heimreise antreten kann. Als wir diese Überlegungen in die große Runde gaben, ernteten wir von einzelnen für alle gesagt den Hinweis: es ist die letzte Nacht, man kann auch mal ungeduscht Reisen, aber wir wollen beieinander bleiben. So schliefen wir auf Isomatten, teilweise ohne wärmende Decke in zwei einfachen Gemeinderäumen.

Abschluss war das letzte Frühstück und das Gebet vor dem Aufbruch zum Flughafen nach Frankfurt Main. Dort ging es ohne Tränen, herzliches Händedrücken und Umarmungen nicht ab. Eine Whatsapp- und eine Facebook - Gruppe freuen sich seither reger Teilnahme von allen, die diese Wochen miterlebt haben. Und ein Traum ist lebendig: Nächstes Jahr in Malaysia.

 

Matthias Knoch, Pfarrer

 

 

Jugend Begegnung Malaysia – Gunzenhausen vom 19. Juli bis 9. August 2014 Jugend Begegnung Malaysia – Gunzenhausen vom 19. Juli bis 9. August 2014

 

 

 

 

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