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Bischof erklärt den Priesterjob beim Studientag am 10.10.2013 in Weißenburg

Bischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm
Brennt für die Sache Jesu: Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für die vielen, schönen Seiten des Pfarrberufs, der auf der anderen Seite aber auch die Gefahr des Burn-out in sich birgt.

 

Bedford-Strohm spricht vor 60 Pfarrern - 11.10.2013 

„Pfarrer: Bewundernswerte Generalisten oder bedauernswerte Dilettanten?" So lautete die Fragestellung, auf die Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm in seinem Vortrag, den er bei der Kapitelkonferenz im Gemeindehaus St. Andreas vor knapp 80 Pfarrern hielt, eine Antwort suchte. Freilich fiel die bei einem so komplexen Thema differenziert aus.

 

Die meisten Pfarrer, das kann man nach dem gut einstündigen Vortrag und der anschließenden Diskussion getrost unterstellen, sind in der Regel keine bedauernswerten Dilettanten. Normalerweise handelt es sich bei den Geistlichen um Menschen, die für ihren Beruf brennen, wie es Bedford-Strohm formulierte, und deshalb auch Gefahr laufen, dass sie eines Tages ausbrennen und Burn-out erleiden.

Deshalb drehte sich ein wesentlicher Teil der Diskussion um die Frage, wie man diesen Burn-out vermeiden kann. Schließlich sind die Anforderungen, die an einen Pfarrer respektive eine Pfarrerin gestellt werden, immer vielfältiger. Der Landesbischof, der selbst in einem Pfarrhaus aufgewachsen ist, kennt von Kindesbeinen an den Spagat, den die meisten Kollegen hinzubekommen versuchen. Kirchengemeinde hier, Familie da: Schnell laufen Pfarrer da Gefahr, zwischen den vielfältigen Anforderungen und Erwartungen zerrieben zu werden. Weil der Beruf zumindest theoretisch ein 24-Stunden-Job ist, falle es oftmals auch schwer, so Bedford-Strohm, eine Grenze zu ziehen, wo eben auch mal Schluss sein muss.

 

Wie andere Berufe auch ist natürlich auch der Beruf des Pfarrers dem gesellschaftlichen Wandel unterworfen, der vor allem durch drei Phänomene geprägt ist: Individualisierung, Pluralisierung und Gegenseitigkeitsorientierung. Konkret heißt das: Die Lebensgestaltung in den einzelnen Fa­milien wird immer freiheitlicher und verläuft immer weniger konform. Die klassischen Rollenbilder gelten vielfach nicht mehr und müssen deshalb tagtäglich neu verhandelt werden. „Unter zehn Menschen gibt es heute zehn verschiedene Lebensentwürfe", ist sich der Landesbischof sicher. Deshalb gebe es auch für Pfarrer völlig andere Voraussetzungen als noch vor 50 Jahren.

 

Burn-out droht den Pfarrern

Eine Frage, die sich in diesem Zusammenhang ergibt: „Wie kann man die Kirchengemeinde in einer pluralisierten Gesellschaft interessant machen?" Wer sich diese Frage stellt, müsse aber auch berücksichtigen, dass die Menschen in der heutigen Zeit auch eine gewisse „Gegenseitigkeitsorientierung" haben und bei jedem Engagement etwas für sich zurückbekommen möchten. Diese Gegenseitigkeitsorientierung sei Bedford-Strohm zufolge nicht schlechter als der frühere „Opferethos", weil Opfer stets nur Grenzerfahrungen, nie aber Zielbestimmungen sein sollten.

Ein Thema, das offensichtlich allen Pfarrern unter den Nägeln brennt, ist die zunehmende Verwaltungsarbeit, wie in der Diskussion deutlich wurde. Aus dem ganzheitlichen Anspruch des Pfarrberufs, der alle Aspekte des Lebens „von der Wiege bis zur Bahre" berücksichtigt, und dem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben könnten sich Spannungsfelder ergeben, die im schlimmsten Falle im Burn-out enden.

Eine Herausforderung für jeden Pfarrer sei es deshalb, so Bedford-Strohm, eine gewisse Distanz zu sich selbst zu gewinnen, „Zeitfresser" aufzuspüren und Regenerationsquellen zu finden. Weil jeder Mensch anders sei, gebe es auch unterschiedliche Belas­tungsgrenzen, weshalb sich eine Frage aufdrängt: „Wie gehen wir mit diesen individuellen Belastungsgrenzen um?"

 

Große Herausforderung

All diese Fragestellungen seien eine große Herausforderung für die Kirchenleitung, die versuchen müsse, mit Dienstordnungen, Vakanzvertretungsentlastung und menschengerechtem Personaleinsatz die Probleme zu lösen. Um dieses Ziel zu erreichen, forderte Bedford-Strohm alle auf, „ernsthaft aufeinander zuzugehen" und sich bei ihren Überlegungen von der „Goldenen Regel" und dem Doppelgebot der Liebe leiten zu lassen. Wer versuche, sich in den anderen hineinzuversetzen, der könne auch die Probleme des anderen verstehen.

Aus Weißenburg nahm Landesbischof Bedford-Strom mindestens drei Dinge mit nach München: den Vorschlag, dass Bauberater dezentralisiert arbeiten sollten, die Forderung nach mehr Personal für Verwaltungsstellen und ein Gastgeschenk, das Dekan Wolfgang Popp überreichte: Rotwein und handgemachte Pralinen. Zwei Köstlichkeiten, für die Bedford-Strohm eine seiner wenigen Schwächen hat. 

 

Quelle: Weißenburger Tagblatt

© Text: Steiner

© Foto: Steiner u. Förthner

 

Studientag mit Bischof Dr. Bedford-Strohm

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