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Kirchengeschichte Absberg 2013

Kirche Absberg
Christus-Kirche. Foto: Unbekannt

Christuskirche: Neubau von 1598


„Warum steht das evangeli­sche Pfarrhaus nicht neben der Kirche?", fragen sich manche, die durch Absberg gehen. Ei­gentlich müsste man fragen: „Warum steht die evangelische Kirche nicht neben dem evangeli­schen Pfarrhaus?" Die Antwort ist einfach: Das Pfarrhaus ist schon immer da, wo es heute noch steht, und der Friedhof ist auch an der ursprünglichen Stel­le, nur die Kirche nicht mehr.
Als die Herrn von Absberg, ei­nes der ältesten fränkischen Adelsgeschlechter, zur evangelischen Konfession gewechselt waren, erbaute Hans Konrad von Absberg 1598 eine neue Kirche an der Stelle, an der sie heute noch steht. Die alte Kirche im Be­reich des Friedhofs, vielleicht noch der Bau, der von Bischof Gundekar von Eichstätt im 11. Jahrhundert geweiht worden war, stand auch noch eine Weile, wur­de aber dann später abgebro­chen.
Die neue Kirche war eine der ersten Kirchen, die als rein evan­gelische Bauten in unserer Ge­gend errichtet wurden. Als nach dem Dreißigjährigen Krieg durch den Deutschen Orden, der hier viel Besitz hatte, auch wieder ka­tholische Christen in den Ort ka­men, wurde das Gotteshaus von beiden Konfessionen genutzt. Erst als 1834 der katholischen Gemeinde die Kirche des Or­densschlosses zur Nutzung über­lassen worden war, hatte die evangelische Gemeinde die Kir­che wieder nur für sich.
1598 war die Kirche ganz traditionell erbaut worden mit rechteckigem, flach gedeckten Langhaus und dreiseitig ge­schlossenem Chor im Osten. Der Turm, der in seinem tonnenge­wölbten Untergeschoss die Sak­ristei birgt, wurde nördlich des Chors in den Winkel zum Lang­haus gesetzt. 1884 wurde der Innenraum im neugotischen Stil to­tal umgestaltet. Die Chorwände bekamen eine Quaderbemalung. Kanzel und Orgelprospekt und Altar wurden mit reichen, neugo­tischen Schnitzereien versehen. Als in den 1950er-Jahren die Neu­gotik als minderwertiger Stil er­achtet wurde, entfernte man bei einer Renovierung im Jahr 1958 nicht nur die Schnitzereien am Kanzeldeckel, sondern auch am Altar. 1979 und 1990/91 wurde der Innenraum wieder renoviert. Der ursprüngliche Zustand war nicht mehr bekannt, der neugoti­sche Zustand ließ sich auch nicht mehr rekonstruieren, und so be­hielt man weitgehend das Er­scheinungsbild der 1950er-Jahre des 20. Jahrhunderts bei.
Zum Glück hatte man bei den Umgestaltungen des 19. und 20. Jahrhunderts wertvolle alte Stü­cke nicht entfernt. Der Altar aus dem Jahr 1599, der im 19. Jahr­hundert entfernt worden war, konnte nach vorgefundenen Res­ten wieder rekonstruiert werden. In einem Kalksteinaufbau steht vor neutralem Hintergrund, der auch den Lichteinfall aus dem Ostfenster mildert, eine vollplastische Kreuzigungsgruppe. Im Aufzug ist das Wappen der Herrn von Absberg. Der Taufstein, eine kelchförmig, marmorierte Sand­steinschale auf einem runden Fuß, stammt aus der St.-Jakobus-Kirche in Neuenmuhr. Die farbige Deckenmalerei ist bis auf zwei Bilder im Chor, das Lamm Gottes mit der Siegesfahne im Strahlen­kranz darstellend und im Lang­haus, die Himmelfahrt Christi darstellend, verschwunden. Die Kanzel ist gänzlich ihres neugoti­schen Schmucks beraubt. Die Ecksäulen und die Schnitzereien am Schalldeckel sind verschwun­den, vorhanden sind noch die Malereien in den Korpusfeldern, die die vier Evangelisten mit ihren Symbolen darstellen.
Auch die zahlreichen Epitaphi­en der Herrn von Absberg sind noch vorhanden. Auf einem stark plastisch gestalteten Steinepi­taph im Chor ist Hans Christoph von Absberg, gestorben 1562, dargestellt. Zwischen Säulen kniet der Ritter im Harnisch auf einem Löwen vor dem Kreuz. Im Aufzug ist Gottvater mit der Weltkugel dargestellt, flankiert von Engeln. Unter dem Verstorbenen befindet sich die Gedenkinschrift und darüber vier Wappen. Über und unter den Säulen sind noch die vier Evangelisten mit ihren Symbolen zu sehen. Gegenüber, auf der anderen Chorseite, hängt das große Holzepitaph des 1611 verstorbenen Hans Konrad von Absberg. Er ist mit seinen beiden Gattinnen Maria, geb. von Eller­hofen, gestorben 1596, und Eleo­nora, geb. Senft, gestorben 1631, und mit seinen Kindern und dem Kreuz kniend dargestellt. Um die Mitteldarstellung der Familie reiht sich ein reiches Bildpro­gramm mit alttestamentlichen Szenen: Issaks Opfer, Erhöhung der Schlange in der Wüste, Jakob und die Himmelsleiter und Jona und der große Fisch. Über der Darstellung der Familie ist die Auferstehung Christi als einzige neutestamentliche Szene. Wap­pen und zahlreiche Inschriften vervollständigen das Bild. Weite­re Epitaphien befinden sich an den Chorwänden und im Kir­chenschiff. Weil mit dem 1647 verstorbenen Hans Veit von Abs­berg der letzte männliche Nach­komme der Herrn von Absberg starb, ist auf seinem Epitaph das Wappen umgestürzt.
Trotz der Nüchternheit des Raumcharakters, den die Reno­vierung der 1950er-Jahre hinter­lassen, ist der Innenraum, der auf drei Seiten von einer Empore umzogen wird, einladend und freundlich und gewinnt durch die sich versammelnde Gottesdienstgemeinde die Wärme, die man durch die beste Raumge­staltung nicht erlangen kann. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 10. Oktober 2012

© Text: Pfarrer Günter L. Niekel, Muhr am See

© Fotos: Horst Kuhn, Gunzenhausen

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

Absberg Altar

Blick auf den Altar. Fotos: Kuhn

 

2013-Absberg, Mesnerin Wilma Sauer

Mesnerin Wilma Sauer

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