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Kirchengeschichte Pfofeld 2013

2013. Pfofeld
St. Michaels Kirche. Foto Kuhn

 

Kirche St. Michael

 

Die Wurzeln einiger Kirchen im Altmühltal gehen auf die Zeit vor der Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend zu­rück. Viele Kirchen wurden nach der Jahrtausendwende er­richtet und ebenso im 15. Jahr­hundert. Von all diesen Kirchen nimmt die St.-Michaelskirche eine Sonderstellung ein, nicht nur wegen ihres hohen Alters. Sie ist die einzige Kirche, von der nicht nur das Datum, sondern auch die Umstände durch eine ausführliche Bauinschrift belegt sind. Sie ist die einzige Kirche, deren ursprüngliche Bausubstanz aus der Erbau­ungszeit zu Beginn des letzten Jahrtausends noch fast voll­ständig erhalten ist, was beson­ders an der Ostseite deutlich wird, wo dem rechteckigen Chor eine halbrunde Apsis mit Rundbogenfries vorgesetzt ist, und an der Nordseite, wo die kleinen, romanischen Fenster­nischen wieder freigelegt wur­den. Sie ist die einzige Kirche, deren gotische Ausmalung noch ganz erhalten ist, zumindest was den Chor und die Apsis an­geht.
Bis 1734 scheint der romani­sche Kirchenbau aus dem Jahr 1134 unverändert gewesen zu sein. Dann wurde der Westgie­bel abgebrochen und mit einem davor gesetzten Treppenhaus gebaucht wieder neu errichtet. Die romanischen Fenster wur­den vermauert und neue Stichbodenfenster eingebrochen. Auf das Langhaus kam außerdem ein Mansardendach, sodass der Innenraum nun in der Tonne ge­wölbt werden konnte, um für die doppelte Empore an der Nord- und Westseite Platz zu schaffen. 1753 kam die Orgel mit ihrem reichem Akanthusschmuck und dem Wappen der Markgrafen von Ansbach-Brandenburg am Prospekt auf die obere Empore.
Die Kanzel stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Die Ecken des Korpus sind durch gedrehte Säulen betont. In den Feldern dazwischen sind die Bilder der vier Evangelisten und Christus in der Mitte. Im Kanzeldeckel ist die Taube, das Symbol des Heiligen Geistes. Auch der Al­tar wurde 1753 aufgestellt. Zwischen gewundenen Säulen, um die sich Weinlaub rankt, ist ein Kruzifix und im Aufzug das Wappen das markgräfliche Wappen. Seit einigen Jahren be­finden sich ein zweiter, moder­ner Altar und ein dazu passen­des Lesepult unter dem Chorbogen.
Neben der ausführlichen Bauinschrift und der beinahe vollständig erhaltenen romani­schen Bausubstanz, ist die goti­sche Ausmalung von Apsis und Chor und einige Fragmente gotischer Bemalung im Langhaus die größte Sehenswürdigkeit der St. Michaelskirche. In der Wölbung der Apsis sind Symbo­le der vier Evangelisten um Christus angeordnet. Darunter zieht sich ein Band mit Recht­eckfeldern, in denen zwei Kreu­ze und Heilige zu sehen sind. Die Stirnwand des Chors über der Apsis zeigt die Verkündi­gung an Maria durch den Engel Gabriel, und darunter knien in Rechteckfeldern die Stifter. Wie über den Darstellungen der Heiligen an den Seitenwänden, so sind auch hier über den Ge­stalten die Namen zu lesen: „Gabriel" und „Maria".
Das Bildprogramm der Sei­tenwände stellt die Heiligen dar, denen die Kirche geweiht ist, an erster Stelle und größer als alle anderen der Erzengel Michael mit erhobenem Schwert in der Rechten und ei­ner Waage in der Linken. Teufel versuchen, die Waagschale zu ihren Gunsten in die Tiefe zu ziehen. Der Erzengel wird flan­kiert von den Heiligen Apollo­nia und Helena. In der Reihe darunter sind eine weitere Hei­lige, ein Apostelkreuz mit einem Engel und die Marterwerkzeuge Christi. Auf der Südseite ist das Martyrium des heiligen Sebas­tian dargestellt, wie er mit Pfei­len gemartert wird, St. Eras­mus, dem die Därme aus dem Leib gezogen werden, dazu die Heiligen Ursula und Agnes, eine weitere Heilige und wieder ein Apostelkreuz mit einem Engel. Die Malereien sind durch ein später eingebrochenes Fenster im unteren Bereich teilweise zerstört. Auch die Rückseite des Chorbogens ist bemalt. Hier sind Greife, sowie die Heiligen Oswald und Maurus. Weitere Malereien befinden sich im Langhaus. An der Südseite er­kennt man in Rechteckfeldern die klugen und die törichten Jungfrauen und Weihekreuze, ähnlich denen im Chor. An der nördlichen Langhauswand sind Szenen, die sich aber nicht mehr bestimmten Ereignissen zuord­nen lassen. Die Malereien wur­den erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts entdeckt und frei­gelegt. Sie stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Besonders gewonnen hat das Gotteshaus durch die letzte Re­novierung, bei der auch der Umgriff der Kirche mit einbe­zogen wurden, so das Torhaus von 1722, an dessen Rundbogen das markgräfliche Wappen zu sehen ist und das auf eine Kirchhofsbefestigung hinweist. Trotz der verschiedenen Bausti­le, die bei der St.-Michaelskir­che am Bau und bei der Ein­richtung anzutreffen sind, trotz des hellen, Licht durchfluteten Langhauses und des in mystischem Licht erscheinenden Chorraums bildet alles zusam­men eine Einheit und so wohl­tuende Harmonie, dass sich die Gemeinde gern im Gotteshaus versammelt, und das nicht nur am Kirchweihfest. GÜNTER L. NIEKEL

 

© Text: Pfarrer i. R. Günther Niekel, Muhr am See

© Fotos: Horst Kuhn, Gunzenhausen

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

2013. Pfofeld

Blick auf den Altar

 

2013. Pfofeld

Blick in das Langhaus

 

2013. Pfofeld

Blick auf die Kanzel

 

2013. Pfofeld

Blick auf die Orgel

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