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2012.11.11. Konzert "Harmonic Brass"

2012.11.11. Gun-Harmonic Brass
Das hochkarätig besetzte Bläserquintett "Harmonic Brass" hob gemeinsam mit dem Publikum in der Stadtkirche wahre Schätze aus dem Programm "Fünf Jahreszeiten". Fotos: Gruber

Exzellente Musik mit einer Brise Humor

Auftritt von „Harmonic Brass" in der Gunzenhäuser Stadtkirche geriet zu einem großen Erfolg

 

 


GUNZENHAUSEN - Möglicher­weise aufkeimende Frühlingsgefühle bei den Zuhörern „sind ausdrücklich erwünscht", ließ Andreas Binder wis­sen. Charmant, informativ und fast schwelgerisch führte der Hornist von „Harmonic Brass" durch das vielfälti­ge Programm des populären Blechblä­serquintetts zum beziehungsreichen Thema „Fünf Jahreszeiten". Die Be­sucher in der evangelischen Stadtkir­che ließen sich nicht zweimal bitten und genossen den Auftakt der Kon­zertreihe zum 40-jährigen Bestehen des hiesigen Lions Clubs in vollen Zü­gen.
Kein Wunder, dass Lions-Vorsitzen­der Klaus Seeger an die fünf Mitglie­der von „Harmonic Brass" im Rahmen seiner Begrüßung zu Recht jede Men­ge Vorschusslorbeeren verteilte. Die Formation sei auf etlichen großen Bühnen weltweit mit „Standing Ova­tions" gefeiert worden, hob Seeger hervor. Unter anderem begeisterten Andreas Binder, Manfred Häberlein (Tuba), Thomas Lux (Posaune), Gerge­ly Lukács und Hans Zellner (beide Trompete) ihr Publikum bereits in der berühmten New Yorker Carnegie Hall. Worte des Lobes hatte Kirchenmusik­direktor Bernhard Krikkay als Gast­geber und Mitinitiator des spektaku­lären Ereignisses indes auch für das stets vorbildliche Wirken des Lions Clubs parat. Seit Jahrzehnten enga­giere sich die Organisation zugunsten wohltätiger Zwecke mit diversen Be­nefizveranstaltungen insbesondere in den Bereichen Musik und Kultur.
Danach jedoch demonstrieren die nobel gekleideten Herren den erwar­tungsvollen Menschen im sehr gut be­setzten Gotteshaus St. Marien in gla­mouröser Manier den Wandel der Jah­reszeiten. In Arrangements von Hans Zellner bietet „Harmonic Brass" ei­nen absolut phänomenalen Bläser­sound mit einer selbst für Kenner und Experten des Genres verblüffenden Klangreinheit. Horst Kuhn, der selbst lange Jahre Posaune spielte, ist faszi­niert vom Können der Protagonisten und verweist auf ihre beeindruckende Atemtechnik. Wohl inspiriert von den Wundern der Natur im Jahreslauf to­ben sich die Vollblutmusiker richtig aus, gehen an die Grenzen des tech­nisch Möglichen. Die Zuhörer haben ihre Freude daran, quittieren das ne­benbei mit viel Humor und komödian­tischen Einlagen gespickte Repertoire immer wieder mit anhaltendem Bei­fall.
Wohltuend eingestimmt werden die Leute mit Astor Piazollas „Primave­ra Porteña". „Komm, holder Lenz", fordert nicht minder eindringlich der famose Joseph Haydn den Frühling herbei, ehe Pjotr Iljitsch Tschaikows­kis „The Carnival" die Freude und Lust auf die bevorstehende Pracht in turbulenter und rasanter Weise deut­lich macht. Die Fastenzeit ist glück­lich überstanden, schon steht das Osterfest vor der Tür. „Lobe den Herren" von Johann Sebastian Bach bezeichnet Moderator Binder als den „Soundtrack" zu Goethes Spazier­gängen und Gedankenspielen. Die Musik von „Harmonic Brass" ist ei­ne Hommage an den „großen Tho­maskantor aus Leipzig". Und weil die Mitglieder von seinen großarti­gen Kompositionen nicht genug be­kommen können, wird „noch ein Zu­ckerl" draufgelegt.
Die fünf Virtuosen vor dem effekt­voll in unterschiedlichen Farben be­leuchteten Altarraum überzeugen sowohl als Solisten wie in perfekt aufeinander abgestimmten Ensemb­ledarbietungen. Sie wechseln ihre Positionen, verkleiden sich, machen Ulk und lassen dabei jederzeit das vielzitierte Augenzwinkern erkennen. So bei Nikolai Rimski-Korsakows furiosen „Hummelflug". Die Wärme des Sommers ist spürbar, das Leben der Menschen spielt sich wieder im Freien ab. Es bleibt Zeit, sich über die Bewegungen des eigenwilligen Insekts zu amüsieren. Die Vertonung von „Harmonic Brass" hat es aller­dings in sich. Flügelschläge im mu­sikalischen Hochgeschwindigkeits­takt reißen das Publikum mit.
Von griechischer Mythologie, elfen­haften Feen, einem von hellen Fanfa­ren durchströmten Zauberwald, ro­busten Handwerkern und ausufern­den Liebschaften ist die Rede bei den traumhaften und äußerst fantasievol­len „Sommernachts-Miniaturen" von Felix Mendelssohn Bartholdy. Verwir­rung entsteht, eine unendliche Trau­rigkeit macht sich breit. Doch unge­achtet dessen besteht auch Hoffnung, der Hochzeitsmarsch krönt den amou­rösen Reigen. Feurig und tempera­mentvoll endet der erste Teil mit Isaac Albeniz' „Sevilla".
Schmetternde Horn- und Trompe­tenstöße aus Haydns „Die Jahreszei­ten" eröffnen den zweiten Teil. Der Herbst hat Einzug gehalten. Noch sind die Jäger zu hören, aber der Winter naht. Grund genug, um vorher von „Harmonic Brass" mit der quirligen „Tarantella" von Bastian Busch in den sonnigen Süden nach Sizilien entführt zu werden. Zu Oktober und November passen Tschaikowskis Werke besonders gut. Von Melancholie und Schwermut getragen ist zwar der „Autumn Song", „On the Troika" hingegen lässt die Zu­versicht zurückkehren. Keine Spur von Tristesse, stattdessen Prunk und festli­che Elemente vermittelt der dritte Haydn'sche Beitrag „Dann bricht der große Morgen an".
Auch bei Piazollas „Invierno Porte­ña" zelebrieren die fünf Künstler die gesamte Bandbreite ihrer Klasse. Pras­selnde Kaminfeuer und kulinarische Genüsse sind zu erahnen, ebenso die heimelige Atmosphäre langer winter­licher Abende. Schließlich werden die „Fünf Jahreszeiten" quasi zu einem „großen Finale" zusammengefasst, in­dividuell in Szene gesetzt von den au­ßergewöhnlichen Fähigkeiten der „Harmonic Brass"-Bläserprofis. Ein wilder Trommelwirbel veranschau­licht das pure Leben in der ungari­schen Puszta und sogar ein Ausflug zum Oktoberfest wird gewagt. Nicht fehlen in Form einer hochwertigen Zugabe darf selbstverständlich die „Mutter aller Jahreszeitenvertonun­gen" - Antonio Vivaldis „Quattro Sta­gioni". ULI GRUBER

Quelle: Altmühl-Bote, Ausgabe 13.November 2012

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

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