Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2011.09.30 Löhe-Haus, 50 Jahre

50 Jahre Löhe-Haus Gunzenhausen, 30. September 2011

Pfarrerin Dr. Anne Stempel-de Fallois beleuchtete Löhes Wirken.

Noch heute sind seine Spuren in der Alt­mühlstadt präsent, tragen Einrich­tungen wie das Löhe-Haus oder das Kinder-und Familienzentrum seinen Namen: Pfarrer Wilhelm Löhe (1808 bis 1872). Seinem Leben und seiner Arbeit war der Vortrag von Dr. Anne Stempel-de Fallois gewidmet, die vor allem die Anfänge seines diakoni­schen Wirkens beleuchtete. Ihr Refe­rat im gut besuchten Löhe-Haus bil­dete den Auftakt für die kleine Veran­staltungsreihe zum 50-jährigen Be­stehen des Gemeindezentrums.
Die Pfarrerin aus Neuburg an der Donau hat sich intensiv mit dem Geist­lichen auseinandergesetzt und auch als Thema für ihre Promotion gewählt, wie die Gunzenhäuser Pfarrerin Susanne Thorwart in ihrer Begrüßung erläuter­te. Anne Stempel-de Fallois richtete ihr Augenmerk besonders auf die Zeit vor der Gründung des Mutterhauses in Neuendettelsau, da es über die Epoche danach bereits viel Literatur gibt. Was aber bewog den gebürtigen Fürther, sein Leben vor allem in den Dienst der Diakonie zu stellen?
Unter Diakonie verstand Löhe die „individuelle Liebe, Zuwendung und Begleitung des Nächsten, die sich aus der Glaubensgewissheit ergeben soll­te und zu fördern war“. Grundlagen seines Engagements waren vorwie­gend Bibelstellen aus dem Neuen Tes­tament wie die bekannte Geschichte vom barmherzigen Samariter.
Für seine Vorhaben („Er hatte viele Pläne“) nutzte der Geistliche, der für kurze Zeit auch in Merkendorf tätig war und sich einen guten Ruf als Pre­diger erwarb, der bis nach Gunzen­hausen reichte, seine vielen Kontakte in ganz Deutschland. Von Vorteil war wohl auch, dass er diese freundschaft­lichen Bande zu einigen vornehmen und vermögenden Familien pflegte, wie den von Eybs aus Neuendettelsau oder den von Tucher aus Nürnberg. Ohne die Geldgeber wäre die Grün­dung des Mutterhauses in dem länd­lich geprägten Neuendettelsau nicht möglich gewesen, so Anne Stempel-de Fallois weiter.
Die soziale Not damals muss sehr groß gewesen sein. In seinen Tagebü­chern beschreibt er die dörfliche Ar­mut, die „zu allerlei Bösem, auch zu Schmuggelei“ verleite. Großes Prob­lem war der Alkohol, in dem viele Menschen ihre Sorgen ertränkten. Löhe setzte, ganz Kind seiner Zeit,Ar­mut mit unsittlichem Verhalten gleich. Von einer Gesellschaftskrise wollte er nicht sprechen.
Auf sein Bestreben hin wurde die Gesellschaft für Innere Mission in Gunzenhausen gegründet, auch ein lu­therischer Verein für weibliche Diako­nie in Bayern sowie ein Hilfsverein wurden ins Leben gerufen, der weitere Gründungen nach sich zog und schließ­lich im Aufbau des Mutterhauses ende­te. Doch die theologischen Ansichten Löhes deckten sich nicht immer mit der Linie der Landeskirche, was ihm so manche Probleme einbrachte. „Er sag­te immer, wie es besser geht.“ Wie vielschichtig das Bild Löhes aus heutiger Sicht ist, bewies die anschlie­ßende rege Diskussion mit Anne Stem­pel- de Fallois mit den interessierten und teilweise sehr kundigen Gästen.
Die kleine Themenreihe wird schon am heutigen Samstag fortgesetzt: Schauspieler Edgar M. Böhlke liest ab 19 Uhr im Löhe-Haus Texte zum The­ma „Glöckner, Glocken, Glocken­klang“ als Einstimmung für den Fest­gottesdienst am Sonntag, 2. Oktober, um 10.15 Uhr. Dekan Klaus Mendel wird den neuen Glockenturm einwei­hen, anschließend wird auf dem neu gestalteten Vorplatz ein Gemeindefest gefeiert. Erstmals läuten dürfen die Glocken übrigens die Kinder, die vor­her an einem Kindergottesdienst teil­nehmen können. Der Gottesdienst in der Stadtkirche wird wegen des Jubi­läums im Löhe-Haus entfallen. Pfar­rerin Thorwart lädt daher alle Ge­meindeglieder ins Löhe-Haus ein. Wer einen Fahrdienst benötigt, kann sich unter Telefon 2267 mit ihr in Verbin­dung setzen.
Zum Abschluss der Veranstaltungen spricht am Mittwoch, 5. Oktober, um 19.30 Uhr Diana Leickert, Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Wilhelm Löhe zum Thema „Löhes Ge­danken und Werte – leben sie im KiFaZ Wilhelm Löhe weiter?“.

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, 01.Oktober 2011

drucken nach oben