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Pfingsten 2019: der Groschen fällt – du kapierst!

Wort zum Pfingstfest

In einer Whiskywerbung heißt es: "Der Tag geht, Jonny Walker kommt".

Das Pfingstmotto klingt ganz ähnlich - aber ohne die Gefahr eines Brummschädels am Morgen: Jesus geht, der Heilige Geist kommt.

 

Aber wie wirkt er denn, der Heilige Geist? So ist das, wie wenn ein Notar, nennen wir ihn Notar Müller, noch bis spät in der Nacht über seinen Akten sitzt. Er muß sich auf eine Reihe von Testamentseröffnungen vorbereiten.

Er sitzt schon reichlich müde da und kämpft gegen den Schlaf.

Was er da von fremden Leuten liest, ist fraglos richtig, aber eben immer dieselbe Leier: Da schreibt einer: "Für den Fall meines Todes bestimme ich X.Y....... Ich vermache mein Haus mit Grundstück zu gleichen Teilen ..." .

 

Doch mit einem Schlag ist alle Langeweile verflogen. Er wagt kaum zu glauben, was da im folgenden steht. Nämlich: "Viertens vermache ich meinem Anwalt, Herrn Notar Müller, aus Dank für seine hilfreiche Beratung den Betrag von 10.000 €!" Da hat einer tatsächlich s e i n e n Namen eingesetzt. Was da vor ihm liegt, ist kein Testament wie jedes andere mehr, sondern meint ihn, ihn ganz persönlich!

 

Und genau dieses Ereignis, meint die Bibel, wenn sie vom Heiligen Geist spricht. Dass das "Damals" dieser heiligen Geschichte zu m e i n e r Geschichte mit Gott wird.

Der Heilige Geist bewirkt, dass ein Mensch, selbst ein erfahrener Bibelleser oder Predigthörer, der vielleicht etwas gelangweilt in der Bibel blättert oder auf seinem Kirchen-Stammplatz dahindöst, dass der plötzlich hochfährt aus seiner Schläfrigkeit und ganz hellwach merkt: Hier geht es um mich, um meine Rettung, mein Leben!

 

Das ist die Hauptaufgabe des Heiligen Geistes: die "Gleichzeitigkeit" mit Jesus herzustellen, mir sein Wort, mir die Heilige Schrift so vor Augen zu führen, dass das Ganze für mich lebendige Gegenwart wird. "Der Heilige Geist drückt das Wort ins Herz" sagt Luther. Salopp gesprochen: Der Groschen fällt. Ich kapiere und erfahre: Gott ist nicht nur irgendwie und irgendwo, sondern er ist m e i n Gott und liebender Vater, dessen Herz für m i c h schlägt, seit Ewigkeit für mich schlägt. Weihnachten, Karfreitag, Ostern werden zu Daten meiner Biographie und die Bibel mein Lebenslauf mit Gott.

Und macht mich glauben: Ich bin die menschliche Hauptperson der Bibel:

I c h bin seine, Gottes, "Großtat", seine Schöpfung, Geschöpf, kein Wurf des Zufalls.

 

M i c h hat Gott wie den Abraham damals aus der Fremde in die Heimat des Glaubens gerufen.

 

Vor m i r und dir hat er wie einst den Kindern Israel das Meer geteilt, das Meer der Furcht, das Meer meiner Ichsucht, das Meer meiner Lebenszweifel. Und ich bin hindurch geschritten. Und nun steh ich , „bin munter und fröhlich".

 

Und vor m i r hat Gott manchen Riesen Goliath aus dem Weg geräumt.

 

Und m e i n und dein Herz darf seine, Jesu, Krippe sein.

Und auch meinen Grabstein werden seine starken Engel an jenem schönen

letzten Ostermorgen mit Links aus dem Weg kicken. Und ich werde dann einmal Lazarus sein, zu dem dann diese vertraute Stimme dringen wird durch Tod und Sarg: Detlef, ich sage dir: "Steh auf aus deinem Grab!". - So wird es Pfingsten in uns.

 

So ist das mit dem Wirken des Hl. Geistes: wo er ins Spiel kommt, da werden alte Bibel-Worte lebendig, zur Anrede an dich. Da wirst du hineingezogen in ein heiliges Geschehen. Du spürst: Das alte, verstaubte Wort "Gott" beginnt zu leuchten. Auch aus meinem Leben hat er seine Hand nicht abgezogen. Zieht mich hin zu Jesus, in dem Gott eindeutig wird.

 

So bindet der Heilige Geist Vergangenheit und Zukunft zusammen. Bindet auch Gott und mich zusammen, lehrt uns, nichts für heilig zu halten als ihn, Gott, allein. Begeistert uns für Jesu Weg: für Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit. Begeistert uns und reißt uns hin dann aber auch zu etwas ganz Konkretem: zu dem, was dann im Glaubensbekenntnis folgt. Begeistert uns für die "heilige, christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen" - und das sind wir!: seine Gemeinde vor Ort, mit all ihren Stärken und Schwächen.

 

Detlef Meyer, Pfarrer in Merkendorf und Hirschlach

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