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Wort zum Karfreitag: Bäh, Fisch!

Wort zum Karfreitag

Oder der heruntergekommene Gott.

 

Ich mag keinen Fisch, das war schon als Kind so, auch deswegen hatte ich lange eine negative Affinität zum Karfreitag. Ein Feiertag ohne Schnitzel, das war doch kein gescheiter Feiertag! Andere junge Leute sahen nicht ein, warum an einem schön langen Wochenende die Disco zu hat: „Blöder stiller Feiertag".

 

Wie geht es Ihnen mit diesem Feiertag? Können Sie ihn verstehen? Bei mir hat es tatsächlich sehr lange gebraucht, bis sich mir dieser Todestag Jesu positiv erschlossen hat. Darf ich Ihnen meinen Schlüssel zum Karfreitag an die Hand geben? Sie lesen also weiter.

Gut, dann will ich es gerne versuchen.

Unsere Vorstellungen von Gott haben oft etwas Großes, Unnahbares, manchmal königlich Goldenes, auf jeden Fall für uns Menschen Unerreichbares. Auch  im Alten Testament der Bibel wird Gott nicht gerade als liebevoller „Kuschel-Gott" beschrieben, was er ja auch nicht ist. Und wenn Gott einzelne Menschen nah an sich heran ließ, dann musste er lebenserhaltende  Vorschriften für diese Menschen geben, denn Gott direkt zu sehen, war tödlich.

Aber halt! Es gab da doch vorher eine Zeit, in der Mensch und Gott sich nahe kommen konnten.: im Garten Eden. Das war aber bald zu Ende, denn wir Menschen wollten wissen, was Gott weiß. Das hat sich dann bis heute als eine fatale Fehlerquelle herausgestellt und für viel Elend gesorgt.

 

Sie fragen: Was hat das denn mit Karfreitag zu tun?

Dieser Tag ist halt nicht nur Todestag eines „Religionsstifters",  sondern war göttliche Konsequenz dessen, dass der Mensch von der Frucht des Baumes der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen hat:  Er ist rausgeflogen aus dem Garten Gottes. So haben die Menschen z. B. auch „gelernt", sich gegenseitig umzubringen, und  sie leben seither ihr irdisches Leben nicht mehr unbeschwert und ewig. Gott gefällt das nicht, er sucht immer wieder seine Menschen, die  er ja zu seinem Gegenüber geschaffen hat. Das klappte lange Zeit nur mit einigen wenigen herausragenden Personen und längst nicht mit vielen Menschen.

Sie wollen und wollten ja auch irgendwie, waren und sind aber ziemlich verpeilt und beten Goldene Kälber, Baale, schnelle Autos und das Wirtschaftswachstum an.

Alle Versuche Gottes, die Menschen durch „Zucht und Ordnung" auf eine gute Spur zu bringen, haben nichts gebracht: Die alttestamentlichen Gebote führten zu keinem guten Ergebnis, denn der Mensch wusste und weiß es ja immer alles besser. Gottes „Denken" erschließt  sich uns Menschen nicht so einfach und Gottes Lösungs-Idee für diese "kommunikativen" Schwierigkeiten  erscheint uns oft als verrückt:

 

Der verrückte, der heruntergekommene Gott - er hat sich selbst verrückt.

Aus der unfasslichen Weite des Gott-Seins hinein in unsere kleine irdische Welt: in einen Stall, auf eine Flucht. Als ein Stiefsohn, als ein einfacher Bauarbeiter, als ein Prediger, als ein Heiler, als liebevoller Begleiter und andererseits „bissiger" Ansager der göttlichen Wahrheit ist er, Gott, Mensch geworden.

Jesus, der Nazarener, der auf unsere Welt heruntergekommene Gott.

 

Mensch sein bedeutet begrenzt sein. So war Gott nur für ein paar wichtige Jahre als Mensch und Sohn Gottes unterwegs bei uns, auf unserer kleinen Erde.

Und  während die einen diesen Nazarener als supercool und hilfreich erlebten, fühlten sich andere durch die nah an sie herangetragene Gottesbotschaft bedroht (lesen sie z.B. mal in der Bibel Matthäus-Evangelium, Kapitel 25, ab Vers 31), das waren meist die auf verschiedene Weise Mächtigen:

Die Ansager in religiösen, in politischen wie gesellschaftlichen Dingen und die Reichen.

Denn ihnen drohte bei Umsetzung der Dinge die Jesus einforderte, Verlust von Macht, Einfluss und Einnahmen. So musste Jesus, der Nazarener, weg, aus dem Weg geräumt werden, aber mit einem scheinbar „sauberen" Prozess.

Wie (wenig) überzeugt dabei der verurteilende Vertreter der Römischen Gerichtsbarkeit, Pilatus, war, steht auch in den Evangelien (z.B. Johannes-Evangelium, Kap. 18, ab V.28).

 

Aber warum musste Jesus sein Kreuz tragen, daran unter  Schmerzen sterben? Oft wird diese Frage falsch so gestellt: „Warum opfert Gott Jesus?"  Stop! Wer opfert Jesus?

Jesus ist selber der heruntergekommene Gott.  Aber wer tötet Jesus?

-    Ein paar römische Soldaten?

-    Ein unsauberes richterliches Urteil?
-    Ein paar falsche Zeugen?

-    Der Machthunger einer gesellschaftlichen Klasse?

-    Die Angst, sich verändern zu müssen?

-    Zu wenig „gerader Rücken" der Nachfolger Jesu?

-    Ich?

 

Gott ist unbequem. Er lässt mich nicht aus meiner Verantwortung.

Eine freudig österliche Befreiung gibt es nicht billig. Vorher muss ich lernen, zu meiner Verantwortung zu stehen. Gott steht über der Zeit.

Damit stehe ich am Karfreitag 2019 selbst vor dem Kreuz.

Habe ich das umgesetzt, was Jesus mir sagt?

Nein, ich habe es  wieder nicht geschafft.

Ja - ich bin jetzt machtlos und beschämt, denn trotz meines guten Willens werde ich meiner Verantwortung zur Erkenntnis des Guten und Bösen nicht gerecht.

Herr, bitte vergib mir! Er tut's - und stirbt.

Jetzt darf ich auf das Ostergeschehen hoffen,

und er, mein Herr und Gott, er hat nicht einmal verlangt, das ich Fisch esse.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten stillen Feiertag.

 

Dieter Blencke, Diakon

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