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2018. Ostern

2018_Stadtkirche, Gunzenhausen, Ostern
Stadtkirche Gunzenhausen: Foto: Kuhn

„Jesu Auferstehung ist ein Happy End“

Gut besuchte Ostergottesdienste in Gunzenhausen — Licht verdrängt die Finsternis

GUNZENHAUSEN — Durchwachsen präsentierte sich das Osterwochenende: Während die Eiersuche teilweise ins Wasser fiel oder vom Winde verweht wurde, zeigte sich gestern Petrus von seiner allerbesten Vorfrühlingsseite. Gut besucht waren die evangelischen und katholischen Gottesdienste sowie die Osterkonferenz auf der Hensoltshöhe.

In der evangelischen Stadtkirche zelebrierte Pfarrer Ekkehard Malcher den Osternachtgottesdienst, er wurde dabei vom Taizé-Gottesdienstteam, dem Taizé-Orchester und Kirchenmusikdirektor Bernhard Krikkay unterstützt. Im Anschluss trafen sich die Kirchengemeindeglieder zum gemeinsamen Osterfrühstück im Lutherhaus, das Jugendliche aus dem Dekanat vorbereitet hatten.

Den Gottesdienst am Ostersonntag im Gemeindesaal des Löhehauses hielt Pfarrerin Cornelia Schieder. Sie griff auf einen Vergleich mit Hollywood zurück um das österliche Wunder zu beschreiben: „Jesu Auferstehung, ist schon auch irgendwie wie das Happy End einer solchen Geschichte.“ Vor allem, wenn man sich zunächst den großen Schrecken der Tage davor vor Augen führe. Als Jesus gefangen genommen wurde, als er vorgeführt wurde, der Schrecken am Kreuz. Doch mit der Auferstehung Jesu habe sich eine Wende zum Guten vollzogen.

Diese Wende sei aber am diesjährigen Ostersonntag nicht überall sicht- und spürbar. Wo sei Gottes Happy End für die Menschen im Gazastreifen, wo sei es für die Flüchtlinge in Afrika? Wo sei das Happy End für den jungen Familienvater, der an Krebs sterbe? Die Welt bestehe nicht aus aussichtslosen Geschichten, die am Ende doch noch gut ausgehen, auch nicht an Ostern. Doch die Auferstehung Jesu gebe trotz allem Hoffnung. Horst Kuhn

2018. Stadtkirche, Gunzenhause, Ostern

Pfarrer Ekkehard Malcher, Pfarrerin Cornelia Schieder, KMD Bernhard Krikkay mit einem Teil des Gunzenhäuser Taizéteam und dem Mesnerehepaar Untch beim Osternachtgottesdienst.

 

 

Quelle: Altmühl-Altmühl-Bote 03.04 2018

© Foto: Horst Kuhn

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent


Predigt von Pfarrerin Cornelia Schieder

Ostersonntag: Löhe-Haus, Gunzenhausen

 

1.Sam 2,1-2 + 6-8a

Kanzelgebet:

Herr schenke uns ein Herz für dein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen.

Am liebsten mag ich Filme mit einem Happy End. Wenn nach ca. zwei Stunden entweder geheiratet wird, weil sich alles so wunderbar gefügt hat. Oder wenn ein kranker Mensch auf wunderbare Weise wieder gesund geworden ist und zum Abspann in die Kamera lächelt.

Ich mag es, wenn am Ende eines Filmes die zuvor vom Untergang bedrohte Welt nun doch nicht untergegangen ist. Wenn ein einzelner Held mit Einsatz seines Lebens die Welt doch noch einmal retten konnte. Und bestenfalls, sein Leben dabei doch nicht lassen musste, sondern auf wundersame Weise überlebt hat.

Ich mag es, wenn am Ende eines Filmes die Sonne scheint, die Menschen lächeln und ich das Gefühl bekomme: Egal wie groß der Schrecken, die Bedrohung, die Katastrophen waren – jetzt ist alles wieder gut.

Egal, wie aussichtslos, die Situation war am Ende ist alles gut gegangen. Am Ende gibt es ein Happy End.

Ostern, Jesu Auferstehung, ist schon auch irgendwie das Happy End einer solchen Geschichte, finde ich.

War nicht auch der Schrecken der letzten Tage groß? Der Schrecken, der von Karfreitag und auch den Tagen zuvor ausgegangen ist. Als die Situation um Jesus sich zuspitzte, als er gefangen genommen wurde, als er vorgeführt wurde. Ausgepeitscht und gedemütigt. Als die Situation ausweglos erschien.

Der Schrecken und die Katastrophe am Kreuz. Wie in den großen Kinofilmen scheint ein Happy End schon ausgeschlossen. Wie soll, dass nur wieder gut werden?

Es ist sicher kein Zufall, dass Jesu Passion, oder Jesu Leben schon in zahlreichen Filmen dargestellt wurde. Auch in diesem Jahr ist Jesus vor Ostern wieder auf den Leinwänden zu sehen. Zwar ist die Hauptrolle, die der Jüngerin Maria. Aber es ist doch auch seine Geschichte, die dort erzählt wird.

Die Geschichte, die sich immer mehr auf eine gefährliche Situation zuspitzt, eine Geschichte die immer auswegloser erscheint. Bei der man sich bis zuletzt fragt: Wie kann das noch gut gehen?

Aber, sie ist gut gegangen. Sonst wären wir ja heute nicht hier. Die Auferstehung Jesu von den Toten ist das Happy End, auf das wir gehofft haben. Es ist nochmal alles gut gegangen. Jesus ist auferstanden. Er ist nicht tot. Jesus lebt.

Wir können beruhigt wieder das Kino verlassen. Dem Weltuntergang sind wir noch einmal entwischt.

Mit Jesu Geschichte ist es aber anders, wie mit den einschlägigen Kinofilmen. Da will ich verstehen, was das für mich und für mein Leben bedeutet: dass Jesus lebt, dass er auferstanden ist, dass diese Geschichte ein Happy End hat.

Vielleicht kann eine andere biblische Erzählung mit Happy End mir beim Verstehen helfen. Die Geschichte von Hanna. Ich will sie Ihnen mit meinen Worten wiedergeben und dann den heutigen Predigttext anfügen:

Hanna war eine sehr unglückliche junge Frau. Unglücklich war sie, weil sie keine Kinder bekommen konnte. Das ist nicht nur in der heutigen Zeit ein schweres Schicksal, es war auch schon vor vielen hundert Jahren schlimm.

Hanna war so unglücklich, dass sie oft nichts mehr aß und trank und keinen Lebensmut hatte.

Aber mit einer Sache hörte Hanna in ihrem Unglück nicht auf: Sie hörte nicht auf zu beten. Eines Tages betete Hanna im Tempel so intensiv, dass der Priester kam und sagte: du bist ja betrunken. Doch Hanna antwortete: Nein, das bin ich nicht. Ich habe mein Herz vor dem Herrn ausgeschüttet.

Der Priester war so angetan und beeindruckt von Hannas Gebet, dass auch er für sie zu beten begann. Und von diesen Tag an, so heißt es in der Bibel, ging es Hanna gut.

Zwar hatte Gott ihr Gebet noch nicht erhört, aber, dass sie ihr Herz ausschütten konnte, all ihr Leid Gott klagen konnte, dass allein hat ihr gutgetan.

Das ist eigentlich schon ein Wunder, finde ich. Das ist ja auch schon ein Happy End.

Aber es geht noch weiter. Gott erhört Hannas Gebet und erfüllt ihr den größten Wunsch, den sie hat: Er schenkt ihr einen Sohn.

Und dann heißt es:

Und Hanna betete und sprach: (1.Sam.2,1-2+6-8a)

Happy End. Das Gebet, es könnte das Lied eines Filmabspanns sein, von einem Film in dem am Ende alles gut geworden ist.

Happy End für die betende, auf Gott vertrauende Hanna.

Happy End für den gekreuzigten Jesus Christus.

Happy End, weil Gott wendet. Er ist es, der ausweglose Situationen zum Guten wenden kann. Der den Lauf der Dinge verändert. So wie Hanna es singt:

Der Herr tötet…

Es ist Gott, der Hannas Schicksal zum Guten wendet. Und es ist Gott der den Tod seines Sohnes, das schreckliche Ereignis am Kreuz, all die Grausamkeit, zum Guten wendet.

So, kann ich Auferstehung verstehen: Als eine Wende zum Guten.

-

Aber auch heute, am Ostersonntag, ist diese Wende nicht überall sichtbar, nicht überall spürbar.

Wo ist Gottes Happy End bei den Menschen, die im Gazastreifen leben und… sterben?

Wo ist Gottes Happy End bei den Flüchtlingen Afrikas, die in die Kameras der Reporter blicken und sagen, dass sie einfach nur ein Leben für ihre Kinder wollen.

Wo ist Gottes Happy End bei der Frau, die Gott um ein Kind bittet und es nicht bekommt. Bei dem Mann, der Gott um eine Partnerin bittet, der aber einsam bleibt. Bei dem jungen Familienvater, der Gott bittet seine Krankheit zu heilen, der aber doch am Krebs stirbt.

Da ist kein Happy End. Unsere Welt besteht nicht aus Geschichten, die zwar aussichtslos erscheinen, am Ende aber doch gut ausgehen. Auch nicht an Ostern.

„Der Herr tötet und macht lebendig,

er führt ins Totenreich und wieder herauf.“

Der Herr.

Hanna weiß und besingt es sogar in ihrem Danklied, dass es Gott ist, der alles in seiner Hand hält. Sie weiß, dass er es ist, der die Geschicke der Welt lenkt, dass er Leben schenkt und Leben nimmt.

Ich könnte verstehen, wenn Hanna aufgeben würde. Wenn sie sich ihrem Schicksal fügen würde. Wenn es doch sowieso nicht in ihrer Macht liegt, weil Gott alles lenkt.

Sie könnte in ihrer traurigen Ecke sitzen bleiben und ihr ganzes Leben mit Weinen verbringen. Sie könnte ihren Wunsch aufgeben, ihr Leben.

Aber sie tut es nicht. Ganz im Gegenteil:

Hanna gibt nicht auf. Sie findet sich nicht mit ihrer Geschichte ab. Sie will ihren Schmerz und ihr Leid nicht für sich behalten. Sie muss es – wir würden vielleicht sagen – einfach mal rauslassen. Sie muss einfach mal ihr Herz ausschütten.

Im wahrsten Sinne des Wortes: All die Demütigung, die sie herunterschlucken musste, all den Neid, auf die Frauen, die Kinder bekommen können, den sie aber nicht zugeben durfte, all das belastende, das niemand hören will. Hanna gibt nicht auf, sie wird nicht still, sondern sie betet umso mehr.

Sie fleht Gott an, weil sie darauf vertraut, dass Gott die Dinge ändern kann. Dass Gott ihr Leben und ihre Geschichte zum Guten wenden wird. Und sie schüttet ihm alles hin. Sie schüttet ihr ganzes Herz aus. Es ist ein Gebet, dass aus tiefsten Herzen kommt. Ein Herzensgebet.

Und allein das Gebet und das Vertrauen auf den Gott der alles in der Hand hält, hilft ihr. Allein der Umstand, dass sie ihr ganzes Herz ausschütten konnte, ihr Leid klagen konnte und davon ausgehen konnte, dass Gott es hört, das hat sie gerettet.

Das war ihre Auferstehung. Ihre Wende zum Guten.

Ja, es ist Gott der die Dinge lenkt. Und er lenkt sie zum Guten.

Er ist es der in das Reich der Toten führt – so singt es Hanna – aber er lässt die Hand dort nicht los, er lässt uns nicht im Verderben – er führt aus dem Reich der Toten wieder heraus.

Die Auferstehung Jesu führt es vor Augen. Selbst in der Ausweglosigkeit des Todes lässt Gott nicht los, sondern kann und wird Dinge zum Guten lenken. Auch wenn das so oft jenseits meines Verstandes liegt.

Das ist meine Hoffnung und darauf will ich vertrauen, dass Gott alles zum Guten wendet.

Angesichts all der Geschichten dieser Welt, die noch kein Happy End haben. Ist es das was mir an Ostern bleibt. Die Hoffnung darauf, dass Gott, der den Tod überwinden konnte, der in das Totenreich hinein und wieder hinausführt, alles zum Guten wenden mag, auch Ihre Geschichte, auch meine Geschichte.

Und bis dahin, können wir uns ein Beispiel an Hanna nehmen und Gott unser Herz ausschütten. Wir können aus tiefsten Herzen zu ihm beten und erzählen von unserem Schmerz und Leid.

So wie bei Hanna, kann uns das verändern.

Ein Gebet von Herzen kann unser Herz verwandeln in ein fröhliches Herz, das im Licht der Ostersonne leuchtet. In ein fröhliches, lebendiges Herz, das spüren kann, dass Gott Jesu grausamen Tod zum Guten gewandt hat. Darauf vertrauen, dass er auch unsere Geschichten zum Guten wenden kann.

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der uns erlöst hat von unserem Tod.

Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, der so großes vermag. Der durch seine großen Werke die er aus Liebe zu uns vollbringt, für jeden von uns ein Happy End bereithält. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist und weiter reicht als unser Verstand es fassen kann, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

2018. Stadtkirche Gunzenhausen, Ostern

Osternacht: Taizé-Orchester

 

 

 

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