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Wort zum Osterfes 2018

Das Wort zum Osterfest

Nadja aus der 5. Klasse beschreibt Ostern so: „An Ostern gibt es Eier, Schoko-Eier und Schokohasen. Das alles ist in einem Korb, der wird versteckt von dem Osterhasen. Und am Ende essen wir den Osterhasen auf, da gibt 's Hasenbraten." Dass viele unserer Kinder und Jugendlichen den Kern von Ostern nicht mehr kennen, das ist ganz sicher nicht ihre Schuld. Sie plappern das nach, was die Gesellschaft ihnen vorlebt. Halten uns den Spiegel vor. Denken wir nur an die geballte Werbung um Osterprodukte und die Regale voller Osterhasen und Ostereier.

Dabei ist nicht zu übersehen, dass Osterhasen und Ostereier als Symbole anbrechenden neuen Lebens eine sinnige Deutung des wirklichen Ostergeschehens hergeben.

 

Doch die Bibel kennt unsere Ostertraditionen nicht. Weder Ostereier noch Osterhasen, noch Ostermärkte.
Sie redet davon, dass da einer auferstanden ist, auferweckt vom Vater und dass das die Basis unseres christlichen Glaubens ist, der uns die Zukunft öffnet. Ostern heißt: Gott sagt, du gehst nicht verloren.
Kein Mensch muss leben und sterben ohne diese Hoffnung. Doch Ostereier vermitteln diese Hoffnung nicht. In der Bibel steht an einer Stelle, dass jedes Haar, das wir auf unserem Kopf tragen oder getragen haben, von Gott gezählt ist. Hinter dieser so wunderbar bildhaften Aussage steckt jene Ahnung, dass Gott für jeden von uns ein zärtliches Gefühl hegt, dass er mit uns verbunden sein möchte, im Leben wie im Tod.

 

Du gehst nicht verloren - das ist für mich wie eine Liebeserklärung Gottes an uns, seine Menschen und es heißt nichts anderes als: Du bist mir wertvoll. Ohne die Auferstehung Jesu wäre dies alles eher nur Fantasie. Doch das Neue Testament lässt daran keinen Zweifel. Die antike Quellen-Situation ist da eindeutig, wenn auch einzelne Berichte voneinander abweichen. 
Schwieriger ist eher, wie man die Rede von der Auferstehung von den Toten zu verstehen hat. Es kann sich ja wohl nicht nur um die Wiederbelebung eines Leichnams und damit um eine Rückkehr in das durch den Tod begrenzte irdische Leben handeln. Auferstehung meint, dass die auferlegte Grenze des Todes gesprengt ist, dass also Christus einmal gestorben ist und hinfort nicht mehr stirbt.

 

Ostern heißt: Gott sagt, das, was dich als Mensch ausgemacht hat, wird in meine Nähe kommen und bewahrt bleiben. Auferstehung heißt nicht, dass unser Körper nicht zerfiele, und das Leben in einer anderen Sphäre so weiterginge, wie hier gewohnt. Nein, gewiss nicht, denn dann hätte Maria von Magdala Jesus ja sofort erkannt, damals, als er ihr am Grab erschien. Sie jedoch wusste überhaupt nicht, mit wem sie es zu tun hatte, wer da zu ihr redete. Erst als er ihren Namen „Maria" nannte, da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und sie wusste: das ist Jesus, der auferstandene Christus. Das zeigt deutlich: So, wie wir uns hier sehen, so werden wir uns dann in Gottes Gegenwart nicht mehr sehen. Aber wir werden spüren, neu wahrnehmen, wer zu uns gehörte, wer uns liebte.

 

Die Begegnungen der Frauen und Männer mit Jesus am Ostermorgen und danach, sind Begegnungen mit einem Verwandelten, mit einem, der die Grenzen von Raum und Zeit durchschritten hat.
Zu diesem Sieg über den Tod gehört auch die Verwandlung der Welt, die sich bereits bis zum Jüngsten Tag schon in der Verwandlung unserer Herzen und in der Hinwendung zu Gott vollzieht. Ostern heißt auch: Gott sagt, du kommst aus mir und gehst zurück zu mir. Mit anderen Worten: Mit Gott haben wir ein Gegenüber, an das wir uns wenden können in jeder Situation des Lebens: Da, wo wir meinen vor Angst zu vergehen, wie auch da, wo wir außer uns sind vor Freude.

 

Ich weiß, manchmal kommt es einem so vor, als wäre der Himmel leer und Gott könne uns nicht hören; aber es gibt auch jene Momente, in denen man die Gegenwart Gottes ganz dicht spüren kann, so wie die Frauen und Männer am 1. Ostermorgen. Phil Bosmans beschreibt es so: „Wir gehen durch jedes Kreuz hindurch zum Licht, zum neuen Leben, durch jeden Karfreitag auf Ostern zu. Es ist ein unbegreifliches Geheimnis, dass Menschen in ihrer tiefsten Qual und in der schwärzesten Nacht, durch alles Elend und Leid hindurch plötzlich Gott sehen, Gott begegnen."
Frohe Ostern Ihnen allen!

 

Heinrich Förthner, Diakon i.R.

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