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2016.12.11 Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche Gunzenhausen

Weihnachtsoratorium
Stdtkirche Gunzenhausen: Foto. Kuhn

Der reine Wohlklang

Kantorei und Solisten meisterten Herausforderungen

GUNZENHAUSEN – Kirchenmusikdirektor Bernhard Krikkay reizt das Außergewöhnliche. Sein Anspruch beschränkt sich keineswegs nur auf die Darbietung populärer Standardwerke. Es ist das stete Bemühen, in „Nischen“ des Genres vorzudringen und dadurch bisweilen auf „anderen Pfaden“ zu wandeln. Wohl unter diesem Aspekt darf die Auswahl des Weihnachtskonzerts 2016 eingeordnet werden. Mit dem „Oratorio de Noël“ in lateinischer Sprache von Camille Saint-Saëns wird dem Publikum in der evangelischen Stadtkirche St. Marien ein durchaus extravaganter Hörgenuss serviert. Neben den Mitgliedern der gastgebenden Kantorei tragen insgesamt sieben Vokal- und Instrumentalsolisten sowie das Ansbacher Kammerorchester zum Gelingen bei.

Um dem Werk des französischen Komponisten die entsprechende Bühne zu bereiten, wagt sich Kantor Krikkay mit dem Konzert in B-Dur für Harfe und Streichorchester von Georg Friedrich Händel zum Auftakt ebenfalls auf unkonventionelles Terrain. „Vom Barock zur Romantik“ soll sich der Bogen spannen — das Experiment gelingt vorzüglich. Dezent und einfühlsam begleitet vom Orchester, bewältigt Elena Faynberg (Harfe) ihren Part in der Kühle des Gotteshauses trotz klammer Finger mit viel „Fingerspitzengefühl“. Passend zur fast intimen Stimmung ergänzen sich die Protagonisten zu einem von Harmonie und Einklang geprägten Kollektiv.

Genau diese Begrifflichkeit genießt auch beim Hauptwerk des Konzertabends höchste Priorität. Der Dirigent und Leiter des Projekts geht mit gutem Beispiel voran. Krikkay agiert als leidenschaftlicher „Teamplayer“ und ebnet seiner Truppe mit jeder Menge Esprit den Weg. Die Botschaft zeigt Wirkung: Nicht der Einzelne, sondern das Gemeinschaftserlebnis steht im Vordergrund. Davon profitiert insbesondere die Qualität der Aufführung. Von klitzekleinen Wacklern, leicht verzögerten Einsätzen und für den „normalen“ Kirchenbesucher kaum hörbaren „Dissonanzen“ abgesehen, gewährleisten sämtliche Akteure ein faszinierendes Spektrum an klanglicher Fülle und Reinheit. Als Basis dafür dient das in allen Teilen von einer „noblen Wärme“ umgebende Weihnachtsoratorium Camille Saint-Saëns.

Dieser galt schon frühzeitig als Wunderkind, welches mit rasanter Geschwindigkeit nicht nur Klavierspielen und Komponieren lernte, sondern darüber hinaus auch intellektuelle Gebiete eroberte. Nach der Ausbildung am Pariser Conservatoire betätigte sich der passionierte Musiker ebenso als unermüdlich forschender Geist, der Aufsätze zu philosophischen Fragen veröffentlichte, astronomische Studien betrieb, Gedichte verfasste sowie mit der Herausgabe der Werke Rameaus und Glucks musikwissenschaftliche Pionierarbeit leistete. Zur Förderung der neuen französischen Musik, die im damaligen Paris kaum Beachtung fand, gründete er 1871 gemeinsam mit einigen anderen „Rebellen“ die Société Nationale de Musique. Am Ende eines langen, aber meist unruhigen Lebens (Saint-Saëns starb 1921 in Algier) erfuhr der Meister von der musikalischen Avantgarde trotz enormer Schaffenskreativität nicht mehr die eigentlich verdiente Anerkennung.

Umso mehr wissen die Freunde der Kirchenmusik in Gunzenhausen quasi posthum die Leichtigkeit, Eleganz und Frömmigkeit der Vertonungskünste von Camille Saint- Saëns zu schätzen. Maßgeblich dazu bei tragen die Solisten. Sie werden dem pastoral-lyrischen Charakter des Werkes auch im Ensemblegesang absolut gerecht. Andrea Zeilinger, „Lokalmatadorin“ Doris Weiß-Hofmann (beide Sopran) und die erstmals in der Altmühlstadt gastierende Renate Kaschmieder (Alt) interpretieren ihre Passagen mit bemerkenswerter stimmlicher Intensität. Taktsicherheit, ein hohes Maß an Ausdruckskraft und rhythmische Präzision kennzeichnen gleichermaßen die Einsätze von Christian Zenker (Tenor) und des aus Stopfenheim stammenden Manfred Bittner (Bass).

Auch wenn sich die technischen Anforderungen an den Chor auf nicht allzu schwierigem Niveau bewegen, überzeugen die Damen und Herren der Kantorei durch Flexibilität, Ausgewogenheit und Präsenz. Krikkays Vorgaben werden effektvoll in Musik umgesetzt. Nicht nur akustisch, auch optisch dominiert die pure Freude. Ein Merkmal, das sich freilich auch die Mitglieder des Ansbacher Kammerorchesters und Claudia Esch (Orgel) ans Revers heften dürfen. Kein Wunder, dass der Applaus in St. Marien kein Ende nehmen will. Wie die Ausführenden treten auch die Besucher mit einem guten Gefühl den Heimweg an. Die gewiss konzerterfahrene Renate Kaschmieder bringt es hinterher im persönlichen Gespräch auf den Punkt: „Es ist heute auch für mich ein ganz besonderes Erlebnis gewesen“.

ULI GRUBER

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 17. Dezember 2016

© Text: Uli Gruber, Altmühl-Bote Gunzenhausen

© Foto: Horst Kuhn

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

Dekanat Gunzenhausen

 

Weihnachtsoratorium

Wussten zu überzeugen: die Solisten mit Bernhard Krikkay und Pfarrer Claus Bergmann (hintere Reihe, Zweiter und Erster von rechts).

 

 

Weihnachtsoratorium

 

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Weihnachtsoratorium

 

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