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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Dekanatssynode 2016, Teil 1

2014. Stadtkirche Gunzenhausen
Foto: Kuhn

Keine leichte Aufgabe

Synode behandelte viele Aspekte der Flüchtlingsarbeit

DITTENHEIM — Der Ablauf bei der Aufnahme von Flüchtlingen und Asylbewerbern, die Betreuung durch Kirche und Ehrenamtliche in den Unterkünften und die Eingliederung in den Arbeitsmarkt waren Themen bei der Gunzenhäuser Dekanatssynode. Zahlreiche Fachleute und Verantwortliche gaben im Philipp-Melanchthon- Haus Auskunft.

Über die immer schwierigere Unterbringung von Flüchtlingen berichtete Sebastian Münch, zuständiger Mitarbeiter im Landratsamt. Im Spätsommer 2015 spitzte sich die Flüchtlingskrise in Deutschland zu. Auch der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wurde von der Regierung von Mittelfranken aufgefordert, Flüchtlinge aufzunehmen. Maßgebend bei den Zahlen ist hier der „Königsteiner Schlüssel“. Als Drehscheibe entwickelte sich die Mackenmühle bei Pleinfeld, wo eine Erstaufnahmeeinrichtung geschaffen wurde. Wurden bis Ende Dezember rund 50 Personen wöchentlich (meistens an Montagen) zugewiesen, so sind es derzeit im Durchschnitt 15. Es könnten aber heuer deutschlandweit wieder eine Million Flüchtlinge werden. Münch dankte den vielen ehrenamtlichen Personen und Helferkreisen in den Gunzenhäuser Stadtteilen Wald und Oberasbach, aber auch in Brand und Gräfensteinberg.

Für den Landkreis ist es eine große Herausforderung, geeignete Unter­künfte zu finden. „Der Immobilienmarkt ist im Landkreis ausgeblutet“, stellte Münch fest. Auch steigen die Sozialleistungen, die der Landkreis zu leisten hat, kräftig an. Bis das Anerkennungsverfahren abgeschlossen ist, fallen die Flüchtlinge und Asylsuchenden dem Sozialamt zur Last. Erst nach der Anerkennung werden sie an die Agentur für Arbeit überwiesen und bekommen dort finanzielle Hilfe.

In der Diskussion ging es auch um die Aussage von Landrat Gerhard Wägemann, dass vonseiten der evangelischen Kirche bislang wenig Unterkünfte bereitgestellt worden seien. Dazu hieß es, es seien durchaus Angebote gemacht worden, darunter die Vermietung von zwei Räumen im Dietrich- Bonhoeffer-Haus in Absberg. Das evangelische Dekanat, das Diakonische Werk Weißenburg-Gunzenhausen und die sehr hohe Zahl an ehrenamtlich tätigen Personen und Gruppen seien in vielfacher Weise bemüht, den Menschen Hilfestellung zu geben. Festgestellt wurde, dass die Vorlaufzeiten zur Unterbringung von Flüchtlingen oft zu kurz sind, was die Vorbereitung erschwere. Als Beispiel wurde Haundorf genannt, wo es derzeit noch keine Möglichkeit gibt, Flüchtlinge, die in der Gaststätte „Falkenhof“ untergebracht sind, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Städte und Gemeinden zu bringen, damit sie dort die erforderlichen Behördengänge durchführen können.

Integration ist das Ziel

Für Asylsozialberater Michael Medler vom Diakonischen Werk ist es wichtig, Asylbewerber und Flüchtlinge so schnell wie möglich in die Gesellschaft zu integrieren. Derzeit betreut er allein 300 Personen in den verschiedensten Unterkünften im Kreisgebiet. Leider stehe ihm für die Betreuung Einzelner sehr wenig Zeit zur Verfügung. Umso dankbarer sei man für das Engagement von Einzelpersonen und kirchlichen Helferkreisen, etwa beim Vermitteln von Sprachkenntnissen. Ein „weißer Fleck“ in der ehrenamtlichen Hilfestellung ist derzeit Obererlbach, wo in den vergangenen Tagen 25 Personen untergebracht wurden. Drei Kinder besuchen bereits die Schule, und für fünf Kinder sei man auf der Suche nach einen Kindergartenplatz.

Diakonie-Geschäftsführer Martin Ruffertshöfer wies darauf hin, dass auf dem Gebiet der Asyl- und Flüchtlingsarbeit zwischen Kirche, Diakonischen Werk und dem Landratsamt eine gute Zusammenarbeit und ein gedeihliches Miteinander herrschten. Jedoch solle man nicht aus den Augen verlieren, dass es in der Gesellschaft insgesamt viele Mitmenschen gibt, die dringend Hilfe, Rat und Unterstützung benötigten.

Im ländlichen Raum muss man sich verstärkt um Fachkräfte bemühen, betonte IHK-Vizepräsidentin Erika Gruber. Die Integration und Ausbildung junger Flüchtlinge könne nur durch intensiven Deutschunterricht in Schule und Lehre gelingen. „Flüchtling ist kein Beruf“, so Gruber. Berufliche Bildung sei die Hauptaufgabe, und deswegen engagiere sich die IHK vor allem für junge Flüchtlinge. Hier bestehe ein immenser Handlungsbedarf. Nicht ohne Grund habe sich die Zahl der aktuell 500 Berufsintegrationsklassen im Jahr 2016 verdoppelt.

Über die Möglichkeiten, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, erstattete Ronald Smutny von der IHK ausführlich Bericht. Liegt eine Erlaubnis für junge, arbeitswillige Flüchtlinge von der Ausländerbehörde vor, aus der hervorgeht, dass der Bewerber zu Ausbildungsbeginn noch nicht 21 Jahre alt ist, nicht aus einem sicheren Herkunftsland eingereist ist und zu seiner Identitätsklärung beigetragen hat, kann ein Ausbildungsvertrag bei der IHK eingetragen werden. Die auszuführenden Tätigkeiten sollten den Neigungen und Fähigkeiten der Menschen entsprechen und einfache Sprachkenntnisse für Arbeitsanweisungen vorhanden sein.

Über ihre Tätigkeit und Mitarbeit als „Respekt-Buddies“ — ein integratives Tutorenprojekt von Diakonischem Werk und Jugendzentrum Gunzenhau­sen — berichteten die Jugendlichen Ramon Oione, Marian Moco Ciau und Nur-Mene Centinkaya. Sie sind erst vor wenigen Monaten als Flüchtlinge in die Bundesrepublik gekommen und haben sich bereits gute Deutschkenntnisse angeeignet. Aufgabe der „Respekt­Buddies“ ist es, Schülern der Übergangsklasse (11 bis 17 Jahre) und der 10. Klasse der Stephani-Schule in Gunzenhausen unter dem Motto „Kennenlernen – Voneinander lernen – Miteinander leben“ die deutsche Lebenswelt näher zu bringen. Die Gruppe trifft sich dienstags im Jugendzentrum, bietet ein abwechslungsreiches Programm an und bereitet verschiedene Unternehmungen vor. So wurde etwa eine Stadtrallye durchgeführt und die Bücherei besucht.

Sozialpädagoge Thomas Pfaffinger ergänzte: „Durch diese gemeinsamen Erlebnisse soll das praktische Sprechen im Alltag unterstützt und gegenseitiges Kennenlernen gefördert werden. Für uns ein erster wichtiger Schritt zu einer gelingenden Integration“.

Die Jugendlichen erhielten für ihren Vortrag viel Anerkennung und Beifall. HORST KUHN

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 23.02.2016

© Text und Foto: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

2016 Dekanatssynode

Dekan Klaus Mendel, Ronald Smutny, Erika Gruber, die „Respekt-Buddies' Ramon Oione,

Marian Moco Ciau, Nur-Mene Cetinkaja und Sozialpädagoge Thomas Pfaffinger. Foto: Kuhn

 

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