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2015.01.19 Neuer Glanz für Kunstschätze, Muhr am See

Muhr_St.Johannis
St. Johannis-Kirche. Foto: Kuhn

Neuer Glanz für Kunstschätze
Die Epitaphien in Muhrer Johanniskirche werden fachmännisch restauriert



MUHR AM SEE - Zu den größten Kunstschätzen der Muhrer St.-Johan­nis- Kirche gehören die zahlreichen Epitaphien. Im Rahmen der Renovie­rung des Gotteshauses werden die steinernen Grabtafeln derzeit in­standgesetzt.

Die Epitaphien stammen aus dem 14. bis 19. Jahrhundert und erinnern an die ehemalige Herrschaft auf den Schlössern Alten-, Neuen und Mit­telmuhr, aber auch an Pfarrer und an­dere Personen, die es sich leisten konnten, ihr Gedenken durch solche Grabtafeln zu bewahren. Zum Bei­spiel an Johann Jakob Doersch, „Kö­niglicher Untertan und Fischer zu Alten Muhr", gestorben 1811 „nach langwühriger Kranckheit". Die ältes­te Grabplatte wurde für einen na­mentlich unbekannten Pfarrer ge­schaffen. Auf der Sandsteinplatte, deren Inschrift nicht mehr lesbar ist, kann man neben einem großen zentra­len Kreuz noch einen Kelch und eine Patene (ein flacher Teller für die Abendmahlshostien) erkennen.
Während auf den ältesten Epitaphi­en aus dem 14./15. Jahrhundert nur das Familienwappen oder Berufssym­bol zu sehen ist und eine kurze Um­schrift auf dem Rand Angaben zum Verstorbenen macht, sind auf den Epitaphien aus dem 16. und dem An­fang des 17. Jahrhunderts die Verstor­benen oft mit der gesamten Familie unter dem Kreuz kniend dargestellt - die Männer in Rüstung, die Frauen in vornehmen Gewändern mit Hauben - oder in Zeittracht in einem fast le­bensgroßen Relief, das die ganze Plat­te bedeckt. Berühmte Renaissance-Bildhauer aus Eichstätt, wie Loy He­ring und Wilhelm Beidmüller haben diese Kunstwerke aus Kalkstein ge­schaffen. Ausführliche Inschriften ge­ben Auskunft über den Stand, das Al­ter, Todesdatum und manchmal sogar über die Todesstunde. Neben dem Familienwappen, meist in der Bekrö­nung des Epitaphs, zieren noch viele, farbig gefasste Ahnenwappen die Ecken und Ränder - für Heraldiker (Wappenkundige) eine Fundgrube.
Im Lauf der Jahrhunderte sind nun an diesen wertvollen Kunstwerken Schäden aufgetreten, Alterserschei­nungen wie Verstaubung oder durch unsachgemäße Behandlung durch Reinigung in früheren Zeiten, bei der die Farbfassungen der Wappen mehr oder weniger abgerieben wurden oder durch seit der letzten Renovierung der Kirche in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts aufsteigende Feuchtig­keit in den Wänden. Im Rahmen der derzeit laufenden Außen- und Innen­renovierung der St.-Johannis-Kirche werden auch die Epitaphien gesichert und restauriert. Die Entfernung der Staubschicht ist dabei noch die geringste Arbeit, auch wenn es nicht einfach ist, bei den stark plastischen Teilen bis in die letzten Ritzen vorzu­dringen.
Wesentlich schwieriger ist es dem weißgrauen Belag beizukommen, der sich durch die Feuchtigkeit gebildet hat und große Teile der Oberfläche angegriffen und auch schon geschä­digt hat. Ein weiterer Schritt ist, die abgeplatzten Teile wieder zu festigen. Den Abschluss der Arbeiten bildet dann eine behutsame Retusche der Farbfassung bei den Inschriften und Wappen.
Da sich die meisten Epitaphien im Kirchenraum befinden, sind diese Ar­beiten witterungsunabhängig und können auch im Winter durchgeführt werden. Beschädigte Epitaphien an den Außenseiten der Kirchen werden im Frühjahr restauriert oder wurden noch vor Beginn des Winters ausge­baut und in die Restauratorenwerk­statt gebracht.
Zwei Grabplatten, die bei der letz­ten Kirchenrenovierung unter dem Gestühlspodest gefunden wurden und vor den Epitaphien an der Südwand ins Pflaster unter der Kanzel verlegt wurden, sollen wieder gehoben wer­den, weil sie an dieser Stelle zu viel Feuchtigkeit aufnehmen. Sie sollen einen neuen Platz außen an der Nord­wand des Langhauses findet.
Auch soll der große, stark abgetre­tene Stein, der seit Jahr und Tag vor der Kirchhofmauer nördlich der Kir­che liegt, näher untersucht werden, denn nach einer örtlichen Überliefe­rung soll es sich dabei um die Grab­platte des Minnesängers Wolfram von Eschenbach handeln. Er wurde zu­sammen mit dem Grabmal des Hein­rich von Lentersheim, der 1462 in Wolframs-Eschenbach gestorben war, 1719 von Gustav von Lentersheim nach Altenmuhr gebracht. Von den beiden Steinen, die Gustav von Len­tersheim damals nach Muhr holte, ist der seines Ahnen noch in der St.-Jo­hannis- Kirche vorhanden. Der andere wurde schon damals nicht näher be­schrieben, sondern nur als „langer, schwerer Stein" bezeichnet. Es könn­te sich um das Epitaph des Minnesän­gers handeln, der zu den Herrn von Muhr verwandtschaftliche Beziehun­gen hatte. GÜNTER L. NIEKEL

 

©  Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 19. Januar 2015

©  Text und Foto: Pfarrer i.R. Günter Niekel

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

Dekanat Gunzenhausen

 

 2014.19.01. Muhr

Die zahlreichen Epitaphien gehören zu den größten Kunstschätzen der Muhrer St.-Johannis-Kirche. Sie werden jetzt gesichert und restauriert. Unser Bild zeigt Steinbildhauermeister Manz bei der Arbeit. Foto: Niekel

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